Ruhige, verständliche Informationen zu drei Themen, die viele Familien beschäftigen. Die Texte sollen Orientierung geben und Sie im Austausch mit Schule und Fachleuten unterstützen.
LRS verstehen. Was steckt dahinter?
Viele Kinder tun sich zeitweise mit dem Lesen oder Rechtschreiben schwer. Von einer Lese-Rechtschreibstörung (LRS, auch Legasthenie genannt) spricht man, wenn die Schwierigkeiten deutlich ausgeprägt sind, über längere Zeit bestehen und sich nicht allein durch die allgemeine Begabung, die Beschulung oder zu wenig Übung erklären lassen. LRS hat nichts mit fehlender Intelligenz oder mangelnder Anstrengung zu tun.
Typische Anzeichen
- anhaltende Mühe, Laute und Buchstaben sicher zu verbinden
- langsames, stockendes oder fehleranfälliges Lesen
- viele und wechselnde Rechtschreibfehler, auch bei geübten Wörtern
- großer Aufwand beim Abschreiben
- Vermeiden von Lese- und Schreibaufgaben und wachsender Frust
Was Eltern beobachten können
- ob die Schwierigkeiten über Wochen und Monate bestehen bleiben
- ob sie in mehreren Situationen auftreten, in der Schule und zu Hause
- wie das Kind emotional auf Lese- und Schreibaufgaben reagiert
- ob sich Anstrengung und Ergebnis deutlich unterscheiden
Wann fachliche Abklärung sinnvoll ist
Wenn die Schwierigkeiten deutlich ausgeprägt sind, über längere Zeit bestehen und das Kind belasten, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll. Eine gesicherte Diagnostik erfolgt durch dafür qualifizierte Fachleute, etwa in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie oder durch entsprechend ausgebildete Psychologinnen und Psychologen, unter Einsatz standardisierter Testverfahren. Auch die Schule und die schulpsychologische Beratung können erste Ansprechpartner sein.
Was in der Lerntherapie hilfreich sein kann
Eine integrative Lerntherapie setzt an den konkreten Lese- und Rechtschreibprozessen an. Hilfreich sind unter anderem eine strukturierte, symptomspezifische Förderung, das schrittweise Üben von Laut-Buchstaben-Zuordnungen und Rechtschreibstrategien sowie ein Vorgehen, das an den Stärken des Kindes ansetzt und Erfolgserlebnisse möglich macht. Ziel ist, das Lernen wieder zugänglicher zu machen. Feste Ergebnisse lassen sich nicht versprechen, da jedes Kind unterschiedlich ist.
Was Eltern zu Hause unterstützend tun können
- kurze, regelmäßige Leseeinheiten in ruhiger Atmosphäre
- Druck herausnehmen und Fortschritte in kleinen Schritten würdigen
- gemeinsames Lesen, bei dem die Freude im Vordergrund steht
- im Austausch mit Schule und Fachleuten bleiben
Kurz gesagt: LRS ist eine umschriebene Lernstörung, die sich gut begleiten lässt, wenn sie früh erkannt und fachlich abgeklärt wird. Verständnis, Geduld und eine passende Förderung helfen dem Kind mehr als zusätzlicher Druck.
Quellen und weiterführende Informationen
- BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.: Informationen zu Legasthenie
- Galuschka K, Schulte-Körne G: Diagnostik und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lese- und/oder Rechtschreibstörung. Deutsches Ärzteblatt International 2016; 113: 279 bis 286. Zum Artikel
- AWMF, S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung bei der Lese- und/oder Rechtschreibstörung" (Registernummer 028-044, Stand 2015). Hinweis: Die Gültigkeit dieser Fassung ist abgelaufen, die Leitlinie wird derzeit überarbeitet. Zum Leitlinienregister
- International Dyslexia Association (IDA): Dyslexia Basics, englischsprachig. Zur Übersicht
Nach oben
Dyskalkulie erkennen, frühe Zeichen
Manche Kinder haben anhaltende Schwierigkeiten mit Zahlen und dem Rechnen. Von einer Rechenstörung (Dyskalkulie) spricht man, wenn grundlegende rechnerische Fähigkeiten deutlich und dauerhaft beeinträchtigt sind und sich nicht allein durch die allgemeine Begabung oder die Beschulung erklären lassen. Auch hier gilt: Die Schwierigkeiten sind kein Zeichen von fehlender Intelligenz oder mangelndem Willen.
Typische Anzeichen
- unsicheres Verständnis von Mengen und Zahlenräumen
- anhaltendes Zählen mit den Fingern, auch bei kleinen Aufgaben
- Mühe, sich Rechenwege und das Einmaleins zu merken
- Verwechseln von Rechenzeichen und Stellenwerten
- viel Zeitaufwand und Unsicherheit bei Alltagsaufgaben mit Zahlen
Was Eltern beobachten können
- ob grundlegende Mengen- und Zahlvorstellungen unsicher bleiben
- ob sich die Schwierigkeiten trotz Übung halten
- wie das Kind auf Rechenaufgaben reagiert
- ob Alltagssituationen mit Zahlen, etwa Uhr oder Geld, schwerfallen
Wann fachliche Abklärung sinnvoll ist
Wenn die Schwierigkeiten deutlich, dauerhaft und belastend sind, ist eine fachliche Abklärung sinnvoll. Die Diagnostik erfolgt durch qualifizierte Fachleute mit standardisierten Verfahren. Kinderärztliche, kinder- und jugendpsychiatrische sowie schulpsychologische Stellen können erste Ansprechpartner sein.
Was in der Lerntherapie hilfreich sein kann
Eine Förderung bei Dyskalkulie setzt am Aufbau eines tragfähigen Zahlverständnisses an. Hilfreich sind unter anderem strukturierte, wirksamkeitsgeprüfte Förderprogramme, anschauliches Material und ein Vorgehen in kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten. Wichtig ist eine Begleitung, die Sicherheit gibt und an vorhandenen Fähigkeiten ansetzt.
Was Eltern zu Hause unterstützend tun können
- Zahlen im Alltag erfahrbar machen, etwa beim Kochen, Einkaufen oder Spielen
- kurze, ruhige Übungseinheiten ohne Zeitdruck
- Fortschritte in kleinen Schritten anerkennen
- im Austausch mit Schule und Fachleuten bleiben
Kurz gesagt: Dyskalkulie betrifft grundlegende rechnerische Fähigkeiten. Früh erkannt und fachlich abgeklärt, lässt sie sich gezielt begleiten. Geduld und eine passende Förderung sind wichtiger als Tempo.
Quellen und weiterführende Informationen
- BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.: Informationen zu Dyskalkulie
- Haberstroh S, Schulte-Körne G: Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung. Deutsches Ärzteblatt International 2019; 116: 107 bis 114. Zum Artikel
- AWMF, S3-Leitlinie „Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung" (Registernummer 028-046, Stand 2018). Hinweis: Die Gültigkeit dieser Fassung ist abgelaufen, die Leitlinie wird überarbeitet. Zum Leitlinienregister
Nach oben
Konzentration stärken, im Alltag
Konzentration ist eine Fähigkeit, die sich mit dem Alter entwickelt. Jüngere Kinder können sich in der Regel kürzer am Stück konzentrieren als ältere. Schwankungen sind normal und hängen von vielen Faktoren ab, etwa von Schlaf, Tagesform, Interesse und Umgebung.
Typische Anzeichen für Konzentrationsschwierigkeiten
- häufiges Abschweifen bei Aufgaben, die Ausdauer verlangen
- Aufgaben werden oft begonnen, aber nicht beendet
- leichtes Ablenken durch Geräusche oder Bewegung
- Flüchtigkeitsfehler bei eigentlich beherrschten Aufgaben
Was Eltern beobachten können
- in welchen Situationen die Konzentration leichter oder schwerer fällt
- ob genügend Schlaf, Pausen und Bewegung vorhanden sind
- ob die Aufgaben zum Kind passen, weder Über- noch Unterforderung
- ob Ablenkungen wie Bildschirme oder Lärm eine Rolle spielen
Wann fachliche Abklärung sinnvoll ist
Wenn Konzentrationsschwierigkeiten stark ausgeprägt sind, über längere Zeit bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten und das Kind belasten, ist eine ärztliche oder kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung sinnvoll. So lassen sich mögliche Ursachen einordnen, etwa Schlafprobleme, Seh- oder Hörschwierigkeiten oder eine Aufmerksamkeitsstörung. Diese Seite stellt keine Diagnose und ersetzt keine solche Abklärung.
Was in der Lerntherapie hilfreich sein kann
In der Lerntherapie geht es unter anderem darum, Lernsituationen so zu gestalten, dass Aufmerksamkeit leichter gelingt: mit klarer Struktur, passender Aufgabenlänge, sinnvollen Pausen und Strategien, die das Kind Schritt für Schritt selbst anwenden kann. Konzentration lässt sich üben. Wie schnell sich etwas verändert, ist von Kind zu Kind unterschiedlich.
Was Eltern zu Hause unterstützend tun können
- feste, ruhige Lernzeiten und einen aufgeräumten Arbeitsplatz
- Aufgaben in kleine Abschnitte teilen und Pausen einplanen
- Ablenkungsquellen während der Lernzeit reduzieren
- auf ausreichend Schlaf, Bewegung und Erholung achten
Kurz gesagt: Konzentration wächst mit der Entwicklung und lässt sich durch Struktur, Pausen und passende Aufgaben unterstützen. Bei anhaltenden, belastenden Schwierigkeiten ist eine fachliche Abklärung der richtige Weg.
Quellen und weiterführende Informationen
- kindergesundheit-info.de, ein Angebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals BZgA): wissenschaftlich gesicherte Informationen für Eltern. Zum Portal
- AWMF, S3-Leitlinie „ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen" (Registernummer 028-045, Stand 2018) als weiterführende Information zur Abklärung von Aufmerksamkeitsstörungen. Hinweis: Die Fassung von 2018 ist abgelaufen, die Leitlinie wird überarbeitet. Zum Leitlinienregister
Nach oben